Kompetenzenverbund – GeBEG – B.Le.i.B – momo

KONZEPT GeBEG – begehbar

Die Gesellschaft wurde im Juni 2012 in Rostock gegründet.

Langjährig in den Hilfen zur Erziehung beschäftigte Fachleute gehen mit dieser Gründung und ihrer Mitarbeit einen gemeinsamen Schritt in eine eigenständige und verantwortende Organisation ambulanter Hilfen zur Erziehung.

Wie aus dem Namen der Gesellschaft ersichtlich, will die Gesellschaft die Zusammenhänge zwischen Bildung, Erziehung und Gesundheit anerkennen und deren Wechselwirkungen einplanen. Nach unseren Erfahrungen aus den bisherigen Arbeitskontexten findet eine Nachhaltigkeit ambulanter Hilfen zur Erziehung dadurch statt, dass schon vorhandene Wirkungen aus Bildung und Gesundheit diesen Bereichen zugeordnet bleiben. Ambulante Hilfen zur Erziehung sind aus Sicht der GeBEG Einladungen in wieder oder weiter verantwortende Lebensplanung und genauso in verantwortendes professionelles Handeln. 

In unserer Gesellschaft arbeiten vielseitig in der Sozialarbeit erfahrene Frauen und Männer, die die in dieser Konzeption beschriebenen Ideen, Gedanken und Haltungen entwickelt haben und in ihrem bisherigen professionellen Alltag vertreten. Dabei ist die Gesellschaft wie ein „Ballance-Instrument“ zu verstehen. Ein immer wieder neu zu schaffendes Gleichgewicht zwischen den Akteuren der GeBEG soll Ausgangspunkt sein für professionelle Angebote im Bereich ambulante Hilfen zur Erziehung. 

  1.     Haltungen und Leitbildgedanken

Wir betrachten den Einstieg in eine Hilfe als sehr sensiblen Moment. Seine Gestaltung ist maßgeblich für die Wirkungen, die erzielt und wahrgenommen werden können. 

Wirkungen für Kinder und Jugendliche bedürfen einer Verabredung mit den Eltern. Deren Entwicklung muss von den Eltern erlaubt sein. 

Ambulante Jugendhilfe, zudem, wenn sie sich als flexibel darstellt, tut gut daran,  eine eigene Positionierung für ihr Agieren zu haben. Neben der Fähigkeit auf Veränderungen zu reagieren, ist es genauso wichtig, einen Ausgangspunkt zu etablieren, der dann auch Rückkehrort für Akteure und Proezesse sein kann.

Im Interesse der Adressaten von Hilfe zur Erziehung müssen zwischen den professionellen Akteuren in Bildung, Erziehung und Gesundheit Wirkungen und Nebenwirkungen kommuniziert werden. Ausgangspunkt dafür dürfen nicht Krisen der Hilfeempfänger bleiben. Hilfe zur Erziehung lädt in die jeweiligen Verantwortlichkeiten ein und stellt ergänzend Kompetenzen zur Verfügung.

Für Wirkungen im Sinne von Lebensqualität und deren Wahrnehmung sind dauerhaft hohe Intensitäten aus unserer Sicht hinderlich.

Die Art und Weise, wie Familien in sich kooperieren, beschreiben eine konkret zu empfindende Lebensqualität. Gleichzeitig ist diese Erwachsenenkultur  maßgebliche  Aufwachsbedingung für Kinder und Jugendliche. Deren Verhalten wird wichtiger Parameter für das weitere Handeln der Erwachsenen. In Hilfen zur Erziehung kommen dann zu den schon empfindlichen Erwachsenen der Familie noch fremde Erwachsene hinzu. In unserer Arbeit danken wir Kindern für ihre Mühen, uns Erwachsenen zu zeigen, dass etwas unter uns abzustimmen sein könnte. 

Die Qualität der Zusammenarbeit und deren Zielstellung wird zunehmend Thema unserer Arbeit.

Kooperationen werden ein eigen zu beschreibender Leistungsbereich. Dem werden wir selbst und würden wir mit unseren Auftraggebern und Partnern gern Rechnung tragen.

  1. 2.Inhaltliche Orientierung

Ambulante Hilfe der GeBEG agiert nicht im Interesse einer weiteren Versäulung von Hilfen zur Erziehung. Wir formulieren nicht die Verhinderung anderer Hilfen als Ziel. Fremdplatzierungen können nach §§ 33, 34 SGB VIII im  Einzelfall in diesem Sinne ergänzend notwendig und geeignet sein. Dazu gehört auch die Begleitung semi-professioneller Settings i.S. von „Familien unterstützen Familien“ für einen nachhaltigen und ganzheitlichen Kompetenzentransfer zwischen den jeweiligen Akteuren.

Neben der Geeignetheit und Notwendigkeit einer Hilfe geht es uns um eine angemessene Verhältnismäßigkeit von professionellen Interventionen imInteresse einer zu vermeidenden Stigmatisierung. Kindliches Verhalten ist, nach unserer Auffassung, eher als „richtig“ anzusehen. Daher ist es sinnvoll, über ein förderliches Verhalten der Erwachsenen zu kommunizieren. Unsere Angebote ermöglichen einen friedlichen und nachhaltigen Perspektivenwechsel bzw. die Bestätigung von Perspektiven. 

Die Annahme, dass Kinder und Jugendliche eher Symptomträger für familiäre und soziale Themen darstellen, ist ein wesentlicher Ausgangspunkt dafür, sich mit den Erwachsenen verstehend den Ursachenkontexten zu nähern. Hierfür eignet sich aus unserer Sicht bei Bedarf eine auf längere Dauer angelegte sozialpädagogische/ sozialtherapeutische  Familienhilfe.

Im Interesse einer inhaltlich und wirtschaftlich geprägten Effizienz ist es sinnvoll, in den Beginn von Hilfen zu investieren. Dazu gehört, dass die am Hilfeprozess beteiligten Akteure klären und verabreden, wie miteinander zusammengearbeitet wird, davon ausgehend, dass in der Biographie eines Kindes Erwachsene nicht nicht kooperieren können. 

Wir fördern elterliches Erziehungsverhalten dadurch, dass inner- und außerfamiliale Ressourcen sichtbar sein dürfen und nutzbar gemacht werden. Ressourcen können durchaus verunsichernd und bedrohlich wirken. Das außer acht zu lassen, hieße tatsächliche Entwicklungsmöglichkeiten zu verbrauchen, ohne dass sie förderlich wirken konnten. Die Balance selbst zu halten, bedeutet Autonomie, allerdings auch den Verlust bisheriger stabiliserender sozialer Kontakte.

  1. Gesetzliche Grundlagen

Das SGB VIII beschreibt den Rechtsanspruch bezüglich von Hilfen zur Erziehung. Geeignete und notwendige Hilfe ist dann zu leisten, wenn eine dem Wohl eines Kindes oder Jugendlichen dienende Erziehung nicht gewährleistet ist (§ 27 Abs. 1 SGB VIII). Diese angemessene Erziehung sollen die Träger der Jugendhilfe durch verschiedene Formen sozialpädagogischen Handelns sichern, wieder ermöglichen oder ergänzen. Ausgangspunkt ist der jeweilige erzieherische Bedarf im Einzelfall (§ 27 Abs. 2 SGB VIII). Wir leisten Hilfen zur Erziehung  gemäß § 27 i.V.m. §§ 30, 31 SGB VIII, § 41 i.V.m. § 30 SGB VIII und § 10 Abs. (1) Ziff. 5 JGG.

  1. Zielgruppen

Unser Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und deren Eltern bzw. an junge Volljährige im Alter von 6 bis 21 Jahren, welche ihren Lebensmittelpunkt außerhalb oder im elterlichen sowie im eigenen Haushalt haben und eine sie unterstützende Einzelhilfe innerhalb der Familie benötigen.

Nach dem JGG § 10 kann eine Betreuung auch richterlich für Jugendliche angewiesen werden. Diese sind auch Adressaten unserer Angebote.

Sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern/ Jugendlichen soll es um Beratung, Begleitung und Unterstützung in folgenden Bereichen gehen:

  • Sicherung und Förderung von Erziehung
  • Bewältigung von Alltagsproblemen
  • Lösungen von Konflikten und Krisen
  • Kontakt mit Ämtern und Institutionen
  • Pflegefamilien und Erziehungsstellen 
  • Hilfesettings außerhalb der Herkunftsfamilie im Interesse von Prozessqualität und Kontinuität
  • mittelbare oder unmittelbare Einbeziehung des sozialen Umfeldes der genannten Zielgruppe

Die Mitarbeit der Familie ist eine vorhandene oder zu erarbeitende Grundvoraussetzung für diese Jugendhilfeleistung.

  1. Aufgabenfelder und Ziele

Ambulante Hilfe ist oft im Spannungsfeld zwischen Ermöglichen und Verhindern angefragt. 

Hilfen zur Erziehung sind an sich eine wertvolle Ressource. Die Art der Zielstellungen und das Klima, in dem sie verabredet werden, sind aus unserer Sicht entscheidend für die Qualität des Hilfeprozesses und dafür, wie er von den Beteiligten empfunden werden kann. 

Insofern formulieren wir folgende Zielstellungen/ Aufgabenfelder für unser Angebot:

Verhältnis zu anderen Hilfen

Aus unserer Sicht ist eine bedarfsgerechte Begleitung von Entscheidungsprozessen im Zusammenhang von Fremdunterbringung nach den §§ 33 und 34 SGB VIII eine wesentliche Zielstellung von ambulanter Jugendhilfe. 

Gegebenenfalls kann es auch um eine verantwortende Gestaltung von Übergängen zwischen Hilfen, sowohl rückwirkend als auch aktuell gehen. Darin steckt der Gedanke, dass Wirkungsverluste in Hilfen zur Erziehung gut durch die Aufarbeitung erfahrener Hilfen zu relativieren sind.

Steuerung über Inhalte

Nachhaltigkeit und Wirkungswahrscheinlichkeit erhöhen sich nach unseren Erfahrungen durch Investitionen in den Beginn von Hilfeprozessen. Wichtig ist hier, sich nicht auf eine Steuerung durch Brisanz einzulassen oder zumindest parallel eine Steuerung über Inhalte anzustreben.

Hierfür ist es sehr hilfreich, die Erarbeitung einer Familienstruktur als Ziel zu formulieren- quasi als „familiäre Landkarte“ für eine gemeinsame Orientierung zwischen Hilfeleistenden und Adressaten. Im Weiteren kann es dann darum gehen, dass sich Erwachsene und Kinder/ Jugendliche auf ihren jeweiligen Positionen befinden (können) und dass eine zu erarbeitende Systemordnung in Paar-, Eltern,- Kindebene Zielstellung sein darf. Hier sind sehr grundsätzliche Dynamiken einzuplanen, die mit dem Verlust oder dem Gewinn von Rollen zu tun haben und natürlich auch mit deren Bestätigung. 

Zudem sind die Bereiche Bildung und Gesundheit auf ihre Art in die Lösungsstrategien von Familien involviert. Irritationen, die durch Ordnen und Neuorientieren im Kontext von ambulanter Jugendhilfe auch in professionellen Systemen entstehen, sind stark kommunikationsbedürftig. Dies ist im Interesse von nachhaltigen Wirkungen in die Hilfeprozesse einzuplanen, da es für die Adressaten unserer Hilfen direkt entlastend wirkt.

Gegebenenfalls erscheint es uns sinnvoll, Angebote der Familienpflege im Kontext einer ambulanten Hilfe zur Erziehung zu realisieren. Die Grenzüberschreitung in diese persönliche Nähe ist oft stark schambesetzt und die zu ändernde äußere Situation hat für die Familie eine zu hohe Bedeutung, als dass es um einen bloßenEinsatz von Reinigungs-oder Ordnungsmethoden gehen kann.

Perspektivenabgleich

Am Beginn von Hilfen (und dann regelmäßig) sollte es im Interesse von Wirkungen um einen Abgleich aktueller Lebenslagen zwischen innerfamiliärer und professioneller Perspektive gehen. Nicht selten sind die Unterschiede in den Sichtweisen, die an sich ja natürlich sind und Ressource sein könnten, Zündstoff für langwierige Auseinandersetzungen zwischen  Systemen wie Eltern und Kita/ Schulen/ Ärzten/ Gerichten usw. 

Ambulante Jugendhilfe tut hier gut daran, eine eigene Position zu haben und zu behalten, sich nicht in eine „Konfliktmannschaft“ bitten zu lassen. 

Entlastung von Kinder – Biografien

In der Familie geht es um eine Differenzierung zwischen Erwachsenenthemen und kindlichen/ jugendlichen Lebenslagen, für eine adäquate Wirkungserwartung (Themen der Erwachsenen nicht am Kind bearbeiten). Das führt automatisch zu einer Entlastung der Kinder- Biografien und damit der Hilfeprozesse.

Dann wird es eher möglich, mit Kindern/ Jugendlichen eine bewusste Aufmerksamkeit für innerfamiliäre und sozialräumliche Ressourcen zu aktivieren und zu fördern. 

Mehrgenerationaler Verstehensprozess

Familiäre Strategien im Umgang mit Störungen von außen sind über Generationen etabliert. Hilfezeiträume – und seien sie noch so lang – bleiben außen und die Professionellen müssen diese Strategien mit den Familien verstehen lernen. Dieser gemeinsame Verstehensprozess ist schon die Veränderung, um die es geht. In solchen Lerntätigkeiten erinnern sich dann Großeltern und Eltern an die Wiederholungen, die ihre Enkel und Kinder noch ausprobieren (müssen) und sie erkennen auch die Ähnlichkeiten in den Reaktionen der Professionellen und sie wissen genau, wie es sich anfühlt.Diese Wiederholungen bedeuten auch Sicherheit.

Es ist gut, wenn in der Hilfe andere vorhandene Sicherheiten sichtbar und fühlbar werden können.

Lebenserfahrungen in Bildungssystemen

Ein weiteres Ziel unserer Arbeit ist die Begleitung und Unterstützung bei der schulischen bzw. beruflichen Orientierung. Dabei sollen Lebenserfahrungen von Kindern und Jugendlichen in ihren Bildungssystemen unbedingt Bestätigung finden. Infrage gestellte Erfahrungen können nicht wirklich bearbeitet werden. Nach deren authentischer Bestätigung kann erst gefragt werden, was denn noch sichtbar war, bei nochmaligem und längerem Hinsehen.

Zur Entlastung des adressatenorientierten Hilfeprozesses ist es wichtig, die kommunizierten Inhalte für die Kinder/ Jugendlichen/ Eltern nachvollziehbar auf professioneller Ebene zu besprechen, gern mit angemessener Einbindung der Familie oder zumindest mit verabredeter Rückmeldung. 

Kooperation mit Psychiatrie/ Psychotherapie

Wir arbeiten wertschätzend und fachlich interessiert mit medizinisch-therapeutischen Leistungserbringern zusammen. Therapeutische Leistungen, ihre Erbringer und ihre/ unsere Adressaten sind einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt. Ambulante Jugendhilfe – nach unserem Verständnis – kann hier zwischen elterlichen und professionellen Gelingenserwartungen vermitteln.

In krisenhaften Lebenslagen können medizinische Interventionen hilfreich sein. Solche Konstellationen sind wegen ihrer Intensität sehr prägend und anziehend für alle Beteiligten. Ambulante Jugendhilfe der GeBEG orientiert in derartigen Momenten konsequent auf die eigentlichen Bedarfe und Verantwortungszusammenhänge. 

Es ist eine Herausforderung an professionelle Kooperation, sogenannte „Drehtüreffekte“ zu erkennen, um dann miteinander über andere Zu- und Ausgänge zwischen den Systemen Bildung, Erziehung und Gesundheit nachzudenken.

Jeder therapeutische Prozess braucht eine individuelle, familiäre und professionelle Einbettung in Ressourcen.

Kooperation in sozialräumlichen Bezügen

Oftmaliger Hintergrund für Hilfen zur Erziehung sind Ausgrenzungserfahrungen, die zwei Seiten haben: einmal die Seite der ausgrenzenden (oft) Mehrheit und dann die der ausgegrenzten Person(en). 

Aus unseren Erfahrungen ist die Ressourcenverteilung die, dass eine alleinige Anknüpfung der Hilfe am Ausgegrenzten von der Konstruktion her schon Integration eher verhindert. Daher streben wir ergänzend zu den individuellen Hilfeverfahren eine sozialräumliche/ trägerübergreifende Arbeit mit dem jeweiligen ausgrenzenden System an.

Folgendes Ziel erweist sich aus unserer Erfahrung heraus in diesem Zusammenhang als hilfreich:

Der Abgleich und das Zusammenführen der Arbeitsergebnisse beider Arbeitsansätze (ausgrenzendes System und Ausgegrenzter) muss in den sozialräumlichen Bezügen und deren Organisationsformen (Sozialraumteam) Gegenstand von Kooperation sein.

Nachhaltige Wirkung heißt, dass Effekte im professionellen Handeln von Einrichtungen und Diensten zu verzeichnen sind. In der Summe folgt daraus eine andere Art von sozialräumlicher Beteiligung, wie eine angestrebte Nebenwirkung auf einem „sozialräumlichen Beipackzettel“.

Hieraus leitet sich ein weiteres Ziel unserer Arbeit ab, die Verknüpfung sozialräumlicher Integrationsressourcen (Sozialraumteam) mit Strategien der ambulanten Hilfen zur Erziehung für ein soziales Aufgehobensein in den jeweiligen Lern- und Lebensräumen (Peergroups, Nachbarn, Medienwelt etc.).

Kindeswohlgefährdung

Wir orientieren uns hier an dem entsprechenden Verfahren des Amtes für Jugend und Soziales.  Nach § 8a Abs. 4 Satz 1 SGB VIII sind wir verpflichtet, dass unsere KollegInnen bei Bekanntwerden gewichtiger Anhaltspunkte für die Gefährdung eines von ihnen betreuten Kindes oder Jugendlichen eine Gefährdungseinschätzung vornehmen. 

Unser trägerinternes Verfahren zum Kinderschutz sieht eine unverzügliche kollegiale Beratung und Leitungsbeteiligung vor. Nach Satz 2 ist dann eine insoweit erfahrene Fachkraft beratend hinzu zu ziehen. 

Die Erziehungsberechtigten sowie das Kind oder der Jugendliche sind in die Gefährdungseinschätzung einzubeziehen, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird- so § 8a Abs. 4 Satz (3).

Falls eine Kindeswohlgefährdung im Verlauf einer durch die GeBEG erbrachten Hilfe festgestellt wird, ist es aus unserer Sicht für den weiteren Verlauf der Eltern-Kind

Beziehung von hoher Bedeutung, nicht mit den Eltern um das Wohl ihres(r) Kindes(r) zu konkurrieren. Der zu erstellende Schutzplan muss möglichst ergänzend oder verstärkend zu den Zielen des Hilfeplanes wirksam werden.

Sollte keine Hilfe nach dem SGB VIII in der betroffenen Familie geleistet werden, wirken unsere KollegInnen bei erkennbarem Bedarf motivierend auf eine Inanspruchnahme hin und informieren den öffentlichen Träger umgehend, wenn die Gefährdung des Kindes nicht anders abzuwenden ist.

  1. Methoden

Die KollegInnen der GeBEG wenden verschiedene Methoden der Sozialpädagogik an: Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit, Beratung, Gemeinwesen- und Stadtteilarbeit usw.  

Systemische Familientherapie

Weiterhin finden Methoden systemischer Familienberatung und – therapie Anwendung. Wir arbeiten bewusst mit den verschiedenen Generationen mit Hilfe von Biografie-Arbeit. Ein wichtiger Bestandteil ist hierbei die systemische Genogrammarbeit – eine Methode der Mehrgenerationen – Familientherapie.

Die Anwendung systemischer Interventionstechniken dient der Erkennung und Veränderung dysfunktionaler Bindungs- und Transaktionsmuster in den Familien. Unterstützt wird eine Perspektivendebatte, aus der heraus neue Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten entstehen können. 

In Familienaufstellungen erarbeiten wir (im Beisein der erwachsenen Adressaten oder auch mit ihrer Erlaubnis in deren Abwesenheit) nächste Lösungsschritte im Rahmen der Hilfegestaltung. 

Traumabegleitung

Seit sieben Jahren bieten wir Trauma- begleitung nach der Methode von P. Levine (somatic experencing®) an. 

Mit diesem Ansatz wird davon ausgegangen, dass Trauma eine gelungene Überlebensreaktion des Nervensystems ist, die allerdings mit Kontrollverlust verbunden ist. Der Aspekt des Gelingens, die Rückerlangung der Kontrolle und die Lösung der im Trauma gebundenen Energien sind wesentliche Inhalte dieser Arbeit. Neben einem Gewinn an Lebensqualität sind nach der Auflösung des Traumas Überlebenserfahrungen in den Alltag integrierbar. Man ist nicht mehr Opfer, sondern Überlebende(r) einer überwältigenden Über-Lebenserfahrung.

(Hinsichtlich der therapeutischen Arbeit besteht eine enge und gegenseitige Kooperation mit der Praxis für „Prozessbegleitende Systemische Therapie/ Coaching“ von Fr. Dr. med. B. Schulze.)

Gleichermaßen verfügen zwei weitere Kolleginnen über eine Ausbildung zur therapeutischen Begleitung von Traumata.

Neben der Arbeit mit dem Menschen ist eine nachhaltige Einbindung des sozialen Kontextes (familiär und professionell) von Bedeutung. Mit Überlebensreaktionen sind immer intensive und etablierte Prägungen und Beteiligungen im Menschen und in den Systemen verbunden. Umsteuerungen  und Neuorientierungen bedürfen einer (zu) sichernden Aufmerksamkeit, die ergänzend und unabhängig zur Verfügung steht.

Hier liegt ein bedeutsamer Arbeitsgegenstand für die Kooperationen mit und um Jugendhilfe, dem mit einer konkreten Netzwerkarbeit Rechnung zu tragen ist. Gut, wenn in Hilfeplanungen hierfür ausdrücklich Ziele formuliert sind und extra Zeit vorgesehen wird, ergänzend zu den bestehenden Berechnungen von inhaltlichen Stundendefinitionen.

Trauerarbeit – Begleitung

Zwei Kolleginnen sind über viele Jahre spezialisiert in der Trauerarbeit. 

Die unbewusste Parallelisierung von Tod und Trennung sorgt oft für schmerzliche und unangenehme Gefühle. Kinder haben entsprechend ihres Alters ihren ganz eigenen Trauerstil und trauern auf viele Weisen. Sie benötigen besondere Unterstützung durch die Erwachsenen, um ihre Gefühle zum Ausdruck bringen zu können.

Kinder, Eltern und Familien werden durch unterschiedliche Methoden und Arbeitsweisen begleitet. Sie erfahren und erleben Möglichkeiten, Ihre Trauer zu leben und zu gestalten, um angemessen Abschied zu nehmen, sich der veränderten Lebenssituation zuzuwenden und das Vergangene zu würdigen. Es geht darum, wieder eine Orientierung, Lebensmut und Lebensfreude zu finden – ins seelische Gleichgewicht zu gelangen.

Zu den Methoden in der Begleitung von Kindern und Erwachsenen gehören u.a. Rituale; Betrachtung systemischer Aspekte der Trauer-Biografiearbeit; therapeutisches Schreiben, Gestalten und Spielen, Gespräche und Bildbetrachtung zu Vergänglichkeit und Neubeginn.

Moderation von Hilfekonstellationen

Mit der Moderation von Hilfekonstellationen ermöglichen wir eine lebensweltbezogene Vermittlung der Themen im Interesse des Kindes oder Jugendlichen. Die Moderation entlastet das Kind, den Jugendlichen davon, allein durch sein Verhalten den Hilfeverlauf zu steuern. Sozialräumliche Nachhaltigkeit von Hilfen zur Erziehung werden dadurch gesichert, dass Hilfeergebnisse und -erfahrungen durchaus noch kommuniziert werden, auch wenn der adressatenbezogene Verlauf schon beendet scheint. Die Moderation ist insofern wichtiger Arbeitsinhalt, als dass hier einer berechtigten Wirkungserwartung arbeitsteilig zugearbeitet wird.

Ähnlich ist es in jedem Familiensystem. In unseren Hilfen moderieren wir einen Abgleich und die Abstimmung der Hilfeintentionen mit den Erwachsenen und Geschwistern im Familiensystem. So ist das Kind oder der Jugendliche davon entlastet, das familiäre Klima allein zu (ver-)halten.

Unsere Erfahrung ist es, dass konzeptionell im Hilfeplanverfahren geklärt werden muss, wie konkret im Interesse einer Wirkungorientierung agiert werden soll. Weil es immer um Veränderungen geht, geht es auch immer um Widerstände, die an den bisherigen Sinn der jeweiligen Handlungen geknüpft sind. Neben der Krisen und deren akute Sinnstiftung muss eine gleichberechtigte verantwortende Moderationsleistung platziert werden, die Daten zukunftswirksam bündelt und zugänglich macht. Nur so entsteht tatsächlich eine andere Ausgangslage, an deres sich zu orientieren lohnt.

Diese Leistung verknüpft die verschiedenen Handlungsebenen entsprechend ihrer Gleichberechtigung und Gleichzeitigkeit mit dem Ziel einer aktivierenden Widersprüchlichkeit zwischen einer Ausgangslage mit ihren Bedarfen an Hilfen zur Erziehung und den Zielstellungen, an denen wirkungsorientiert mitgewirkt werden soll. Es ist gut, wenn infolge dieser Konsequenz fallinternes Fallverstehen einlädt – externes Verständnis zu jeweils eigenem Handeln auch wie einen wichtigen Bedarf zu sehen. Dann ließe sich, möglichst mit wissenschaftlicher Begleitung direkt an Praxis orientiert – recherchieren, in welche(n) Wirklichkeiten Kinder- ,Jugend- und Familienhilfenhilfen wirken. Theorie und Praxis sind so weniger „aber“, „trotzdem“, „entweder“, „oder“, „ob“ – dann kann es um „und“ gehen, um „mit“, um „für“ und sogar um „wie“.

Unsere Erfahrungen und unser Können steht als ergänzende Leistung im Rahmen von Hilfe zur Erziehung zur Verfügung.

Gedenkstättenarbeit

Wir verfügen über fast zwanzig Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Gedenkstättenpädagogik. Erwachsene und Jugendliche erhalten die Chance, sich mit der speziellen Geschichte des deutschen Faschismus bekannt zu machen. Vergleiche zur eigenen Biografie sind notwendiger Bestandteil dieser Arbeit. Gleichzeitig geht es um Erfahrungen in totalitären Systemen, um die Balance zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Verantwortung und Kompetenz, zwischen Tätern und Opfern.

(Diese Arbeit erfolgt seit 1993 in Kooperation mit dem Christophorus Jugendwerk Oberrimsingen und der Katholischen Fachhochschule Freiburg.) 

Soziale Netzwerkarbeit

Aus dieser sehr umfangreichen Methode hat sich in unserer Arbeit besonders die Anwendung der Netzwerkkarte bewährt. Hierbei können Hilfeleistende und Adressaten sich ein gemeinsames Bild des sozialen Netzwerkes erstellen. Am Beginn eines Hilfeprozesses ist es in vielen Fällen sehr hilfreich, Kenntnisse über die sozialen Netzwerke der Adressaten zu erlangen. Auf diesem Weg werden den Akteuren Einblicke in vorliegende Problemkonstellationen möglich. Stärken und Schwachstellen werden sichtbar. Soziale Unterstützung, deren Wichtigkeit und auch deren Intentionen werden so im Hilfeprozess deutlich. Auf dieser Grundlage ist der Hilfeprozess gut strukturierbar. Der Adressat ist so maßgeblich an der Gestaltung seiner Hilfe beteiligt.

Bildungs- und Erziehungswerkstatt 

Soziale Gruppenarbeit 

Gruppenarbeit ermöglicht den Kindern und Jugendlichen sich in der Gruppe und als Teil derselben zu erleben. Die Gruppe kann zur Entwicklung und Stärkung sozialer Kompetenzen beitragen. Entwicklungen und Verhalten können durch soziales Lernen in der Gruppe gefördert werden. 

Je nach Bedarfslagen können themenhomogene Gruppen gebildet werden. Erfahrungen aus der Gruppenarbeit finden dann in offenen Gruppenkonstellationen Anwendung.

Mediation

Eine Kollegin arbeitet mit dieser Methode, indem sie als unparteiische Vermittlerin (Mediatorin) Konflikte verhandelt. Den Konfliktparteien bietet Mediation Raum für die Erarbeitung optimaler Problemlösungen. Konflikte können konstruktiv bearbeitet und gezielt deeskaliert werden. 

Erlebnispädagogik

Die KollegInnen der GeBEG haben langjährige Arbeitsbeziehungen zu allen drei Rostocker Kanusportvereinen. Gemeinsam mit einem Erlebnispädagogen und Trainern sind  Aktivitäten auf dem Wasser möglich. In Einzelveranstaltungen oder individuellen Betreuungskonstellationen können mit Hilfe von erlebnispädagogisch gestalteten Situationen authentische Erfahrungen zur Selbstwirksamkeit realisiert werden.

Gemeinwesen- und Stadtteilarbeit

Kinder, Jugendliche und deren Familien werden mit den Ressourcen in ihrem Gemeinwesen vertraut gemacht, die zum Erhalt oder zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen können. Sie werden in Strategien und Techniken eingewiesen, um ihr soziales Umfeld aktiv zu nutzen oder zu gestalten. Angebote der Hilfen zur Erziehung sind zu Angeboten des Gemeinwesens nachrangig.

Aufgabe von Gemeinwesenarbeit ist, die Ressourcen eines Stadtteiles sichtbar zu machen und sie zu bündeln. Dazu sind Menschen in Verbindung zu bringen, Bedürfnisse zu recherchieren und Interessen zu organisieren. Die GeBEG wird sich an der lokalen, stadtteilorientierten Arbeit beteiligen und aktiv zur Debatte zwischen den Interessen der BürgerInnen und den Möglichkeiten der Kommunalpolitik beitragen. 

Mit dieser Methode leisten wir Vermittlungsarbeit zwischen der Lebenswelt unserer AdressatInnen und der Systemwelt der gesellschaftlichen Institutionen.

  1. Leistungsbereiche

Grundleistungen

Alle Grundleistungen werden auf der Basis von Fachleistungsstunden abgerechnet. Nur tatsächlich geleistete ambulante Arbeit wird in Rechnung gestellt. Nachfolgende Punkte sind Beispiele für den Inhalt der Fachleistungsstunden.

Zusatzleistungen

Zusatzleistungen sind verschiedene therapeutische, künstlerische und kulturelle Angebote im Interesse einer alltagsnahen und Kompetenzen entdeckenden Hilfegestaltung. Zusatzleistungen sind auch Leistungen, die Wirksamkeit und Wirkungen der Akteure in Hilfen so kommunizieren, dass deren Nachhaltigkeit in zu verabredenden „Lern-Kooperationen“ dann bewusst mitwirkend Thema bleibt. Kooperation ist eine eigene mit unserem Träger zu vereinbarende Zusatzleistung, die wir im Rahmen unseres Stundensatzes erbringen. Derzeit bündeln sich die Bedarfe der Familien unddie der Institutionen ungeordnet in den Hilfeverläufen. Diese Zusatzleistung kann hier ordnend und wirkend angewandt werden.

Andere Aktivitäten wie Erlebnispädagogik, Erziehungswerkstatt, Gruppenangebote, sozialräumliche Aktivitäten und ergänzende Leistungen in Fallverläufen zur Sicherung von Qualität oder im Interesse einer angemessenen Angebotsentwicklung können in konkreten Hilfeplänen verabredet werden.  

  1. Personal

In der GeBEG arbeiten 10 SozialpädagogInnen/ Diplom-PädagogInnen/ ErzieherInnen mit Zusatzqualifikationen in Vollzeit.

Sie verfügen über folgende Qualifikationen:

  • individualpsychologisch-pädagogische Beratung (BIB)
  • Rendsburger Elterntraining
  • Sozialmanagement
  • Systemische Sozialtherapie
  • Traumabegleitung/ -therapie nach P. Levine (somatic experencing®)
  • Sonderpädagogik
  • Trauerbegleitung
  • Trainer B- Lizenz
  • Mediation
  • klientenzentrierte Beratung
  • Verfahrenspflegschaft
  • Ergotherapie (kassenärztliche Verordnung), Heilpraktikerin
  • Yoga, Tanz, Gesang, Schauspiel, Atem- und Entspannungstherapie, Massagen, energetisches Heilen
  1. Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung

Qualitätssicherung- und entwicklung ist eine ständige Aufgabe in den Hilfen zur Erziehung. 

Die Motivation unserer KollegInnen diese Arbeit in unserem Träger zu leisten, ist ein wesentlicher Aspekt überhaupt miteinander über die Qualität unseres Handelns kommunizieren zu können.

Hinzu kommt eine regelmäßige und authentische Diskussion von Haltungen und Einstellungen zu Themen und Lebenslagen im Zusammenhang von ambulanten Hilfen zur Erziehung.

Lebensqualität und Gesundheit von uns professionellen Akteuren ist ausdrücklich Gegenstand unserer Unternehmenskultur und maßgeblich für eine nachhaltige Qualitätspflege. 

Wöchentliche Teambesprechungen, regelmäßige Mitarbeitergespräche, flache Hierarchie, Beteiligung und Transparenz sind Indikatoren für die Sicherung von Qualität im Interesse aller an Hilfen Beteiligten.

Die fachliche Reflexion in Fallverläufen bezieht die aktuelle Situation der KollegInnen in der für sie angemessenen Art und Weise wertschätzend mit ein. Sie sind die konkreten Leistungserbringer. Ihnen steht regelmäßige Supervision in Gruppen und individuell zu. 

Hilfen wirken zwischen Menschen. Was sie können und wie es ihnen geht, ist maßgeblich für deren Wirkungsgrad.

  1. Finanzierung

Für das vorliegende Angebot sind Entgeltverhandlungen zwischen der GeBEG und dem Amt für Jugend und Soziales der Hansestadt Rostock verabredet.